Preisträger 2026
Jan Röhnert

Preisträger 2026
Jan Röhnert

Leben und Werk


Jan Röhnert wurde 1976 in Gera geboren und lebt heute in Leipzig. Der Lyriker und Essayist veröffentlicht seit mehr als zwanzig Jahren Gedichtbände, Essays, Literaturkritik und wissenschaftliche Prosa. Seit einigen Jahren widmet er sich intensiv dem Genre des Nature Writing: Zuletzt erschien in der Edition Faust sein Gedichtband Erdtagzeit (2023). In seinen präzisen, essayistischen Betrachtungen der Natur reflektiert Jan Röhnert, der an der TU Braunschweig Literaturwissenschaft lehrt, auch Aspekte einer Poetik des Nature Writing.

Diese Schreibform ist Röhnert zu einer Schreibhaltung geworden. Deutlich wird dies in dem 2025 im Arco Verlag erschienenen Essay Wildnisarbeit. Darin werden literarische und ökologische Aspekte miteinander verbunden: Das Schreiben über Natur geht mit praktischer Landschaftspflege und, daraus folgend, mit politischem Engagement einher. Durch den ästhetischen Zugang des Nature Writing schreibt er jedoch keine Pamphlete, sondern liest Landschaften als Texte, die in Verbindung mit Gedichten und Fotografien einen eigenen Kosmos entstehen lassen. Damit schafft Jan Röhnert poetische Literatur.

Foto: Mirette Bakir

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Pressemitteilung der Wilhelm-Lehmann-Gesellschaft e.V. Eckernförde
5. Januar 2026

Jan Röhnert erhält den Wilhelm-Lehmann-Preis 2026 

Mit dem Wilhelm-Lehmann-Literaturpreis der Stadt Eckernförde wird in diesem Jahr der Lyriker, Essayist und Literaturwissenschaftler Jan Röhnert ausgezeichnet. Die Jury begründet ihre Entscheidung:

Der Wilhelm-Lehmann-Preis wird 2026 für herausragende essayistische Prosa im Bereich des Nature Writing verliehen. Preisträger ist der 1976 in Gera geborene und heute in Leipzig lebende Lyriker, Essayist und Prosaautor Jan Röhnert. Seit mehr als 20 Jahren veröffentlicht er Gedichtbände (zuletzt „Erdtagzeit“, 2023), Essays, Literaturkritik und wissenschaftliche Prosa. Seit einigen Jahren widmet er sich intensiv dem Genre des Nature Writing. In seinen präzisen, essayistischen Betrachtungen von Natur reflektiert Jan Röhnert, der in Braunschweig Literaturwissenschaft lehrt, auch Aspekte einer Poetik des Nature Writing. Dabei verbindet er die literaturwissenschaftliche Perspektive auf die Definitionsversuche und Erscheinungsformen des neuen Naturschreibens mit der Autorperspektive des Naturschreibers/Nature Writers. Wie sehr diese Schreibform für ihn eine Schreibhaltung geworden ist und beide ineinandergreifen, zeigt sich in dem 2025 im Arco Verlag Wuppertal erschienenen Band „Wildnisarbeit“. Darin werden – der Untertitel „Schreiben, Tun und Nature Writing“ deutet es an – literarische und ökologische Aspekte miteinander verbunden. Theorie und Praxis des Schreibens über Natur gehen für Röhnert notwendig und selbstverständlich einher mit dem praktischen Tun der Landschaftspflege: sei es der eigene Garten, ein Steinbruch, die von der Natur zurückeroberten Industriebrachen Leipzigs oder der Erhalt einer uralten Natur- und Kulturlandschaft der Elbtalaue bei Höhbeck. Dieses Tun schließt ausdrücklich politischen Aktivismus ein. Die Jury überzeugte vor allem, dass der begründete Aktivismus Röhnerts nicht mit einem Verlust an literarischem Formwillen und -vermögen einhergeht, diesen vielmehr voraussetzt. Der ästhetische Zugang und die Formwerdung in der Sprache des Nature Writing gehen dem politischen Engagement voraus. Seine Texte sind poetische Literatur, nicht Pamphlet. Bereits in „Gehen im Karst“ (2021) hatte Jan Röhnert seine Erlebens- und Schreibform gefunden, Landschaften als Texte zu lesen. Geologie und Historie verbindet er mit subjektivem Erleben und Erinnerung, literarischem Anspruch und ökologisch-ethischer Reflexion. „Wildnisarbeit“ ist ein Hybrid aus Selbsterkundung, Naturbetrachtung, literarischen Zitaten und Beobachtungen. Eigene Gedichte und Fotografien ergeben in Verbindung mit den auch sprachlich in jeder Hinsicht überzeugenden Texten einen ganz eigenen Kosmos. Hervorzuheben ist, dass dabei das Konzept „Wildnis“ in einer modern-sachlichen und zugleich emphatischen, aber dezidiert nicht-romantischen Art neu entworfen wird. Anhand weit gespannter unterschiedlicher literarischer und philosophischer Vorgänger- und Beispieltexte legt Jan Röhnert zugleich die Schnittstellen von Wissenschaft und Poesie frei – in essayistischer Form, für die das persönliche Beteiligtsein am Gegenstand wesentlich ist. 

Der mit 7.500 Euro dotierte Preis wird am 9. Mai 2026 im Literaturhaus Schleswig-Holstein in Kiel verliehen. Die Laudatio hält die Schriftstellerin Katja Lange-Müller, Thomas-Mann-Preisträgerin 2025.

Der Namensgeber des Preises, Wilhelm Lehmann (1882-1968), ist als Erzähler, Lyriker und Essayist hervorgetreten. 1923 für seine frühen Erzählungen und Romane mit dem Kleistpreis ausgezeichnet, wurde er in den späten 1920er bis in die frühen 1960er Jahre zu einem bedeutenden, schulbildenden Lyriker und mit den ab 1927 entstandenen poetischen Naturbeobachtungen „Bukolisches Tagebuch“ zu einem Vorläufer, ja schon Klassiker des deutschsprachigen Nature Writing. Bemerkenswert und anregend sind auch seine in zwei Bänden gesammelten Essays, in denen er u.a. eine eigene Poetologie des Gedichts entwirft.

Der Jury gehörten an: die Literaturwissenschaftlerin Sonja Klimek (Kiel), der ehemalige Leiter des Literaturhauses Schleswig-Holstein Wolfgang Sandfuchs (Kiel), der Literaturkritiker Christoph Schröder (Frankfurt a.M.), der Schriftsteller und Lehmann-Preisträger Stephan Wackwitz (Berlin) sowie die Vorstandsmitglieder der Wilhelm-Lehmann Gesellschaft Beate Kennedy (Windeby) und Wolfgang Menzel (Karlsruhe).

Preisträger der vergangenen Jahre waren Jürgen Nendza (2023), Nora Bossong (2020), Ulrike Almut Sandig (2018), Stephan Wackwitz (2016), Ann Cotten (2014), Nico Bleutge (2011) und Jan Wagner (2009).

www.wilhelm-lehmann-gesellschaft.de
www.instagram.com/wilhelm_lehmann_gesellschaft

Rückfragen an:
Dr. Beate Kennedy
Beate.Kennedy@me.com
oder
Dr. Wolfgang Menzel
menzel@ph-karlsruhe.de

Die Pressemitteilung als PDF finden Sie hier.